Jasmin erzählt ihre Reise

Von Bordeaux nach Quinten

Über Jasmin


„Es gibt Menschen, die zum Wein finden. Und es gibt solche, die schon als Kind von ihm gefunden werden.“

Der Anfang

Schon als kleines Mädchen faszinierten mich die duftende Nase und die schimmernden Farbkomplexe in einem Glas Wein. Während meine Brüder im Auto mit Teenagerdingen beschäftigt waren, dachte ich an nichts anderes als an das, was wir gerade gesehen hatten: eine Weinlese, einen Keller, ein Barrique irgendwo im Bordelais. Château Giscours und Château Lynch-Bages sind bis heute zwei meiner liebsten Weine. Und es war der Sommer, in dem für mich klar wurde, dass diese Welt meine werden sollte.



Lehrjahre 
in der Sternegastronomie



Mein Weg zum Wein begann in der Gastronomie. Schon früh wollte ich Sommelière werden, und so entschied ich mich für eine Lehre als Restaurationsfachfrau in der Sternegastronomie.

Begonnen habe ich im Restaurant Falken in Neuheim. Claudia Oulouda führte mich dort in einen stilvollen, eher modernen Gourmet-Service ein. Die Küche von Peter Doswald, einem sensationellen Koch, war piemontesisch geprägt. So waren die Weine des Piemonts die ersten, die ich richtig kennenlernte.

Weiter ging es nach Walchwil zu Christine und René Weder. Über 20 Jahre lang hielten sie in ihrem wunderschönen Lokal mit Blick auf den Zugersee einen Stern. Hier lernte ich den klassischen Sterneservice von der Pike auf kennen: sehr traditionell, beinahe etwas altmodisch und gerade deshalb so lehrreich. So etwas findet man heute nur noch selten. Die Weinkarte war unglaublich breit. Wie aussergewöhnlich sie war, ist mir erst heute richtig bewusst.

Abgeschlossen habe ich meine Lehre bei Beat Caduff in Caduff’s Wineloft in Zürich, und daraus wurden fast fünf Jahre. Für mich war das Wineloft das Epizentrum der europäischen Weinwelt: Wer Rang und Namen hatte, kam irgendwann vorbei. Dank Beats riesigem Netzwerk durfte ich unzählige Winzerinnen und Winzer kennenlernen, an grossartigen Degustationen teilnehmen und praktisch jeden Wein selbst verkosten. Dazu kam ein tolles, witziges Team, mit dem die Arbeit einfach Freude gemacht hat.

In dieser Zeit schloss ich WSET Level 2 und 3 ab und begann mit dem WSET Diploma. Sechs von sieben Prüfungen habe ich bereits bestanden. Level für Level wuchs meine Sicherheit im Glas und am Gaumen.

Die Restaurants von damals gibt es heute in dieser Form leider nicht mehr. Was ich dort gelernt habe, begleitet mich aber bis heute.



Aufbruch und Winzerlehre

Theorie allein hat mir nie gereicht. Ich wollte mehr wissen. Im Juni verbrachte ich drei Wochen in Ratsch in der Südsteiermark bei Ewald Zweytick. Es war nur ein kleiner Einblick ins Winzerhandwerk, aber er hat etwas in mir ausgelöst. Noch im selben Jahr entschied ich mich, nochmals eine Lehre zu beginnen, diesmal als Winzerin EFZ.

Bei einer Degustation bei Beat Caduff in seinem Wineloft in Zürich lernte ich Susi Wehrli aus Küttigen kennen, und bei ihr durfte ich meine Ausbildung machen. Ich habe unglaublich viel von Susi gelernt. Die Zeit war körperlich intensiv, denn das Winzerhandwerk ist anstrengend, aber genau das hat mich darin bestärkt, den richtigen Weg gewählt zu haben.

Nach meinem erfolgreichen Abschluss zog es mich für drei Monate in die Toskana. Dort tauchte ich in die Kultur und die Sprache ein und arbeitete in einem renommierten Keller in Palaia.

Zurück in der Schweiz war ich kurze Zeit im Detailhandel tätig, ohne eigenen Weinberg. Da wurde mir klar, dass ich einen Weinberg suchen muss. Am Ende hat er mich gefunden.

Ankunft

Der Weg endete (oder besser: begann neu) in Quinten, mit meinem eigenen Rebberg. Aus der jungen Frau, die einst fasziniert am Rand eines fremden Weinkellers stand, ist eine Winzerin und Sommelière geworden, die ihre eigenen Reben pflegt.

Der Name Quinzia trägt diesen Ort in sich: Quinten, verbunden mit Grazia, der Wertschätzung für das, was hier entstehen durfte.

„Allein gestartet. Nie allein geblieben.“